„Die Bewegung Amateurtheater lebt!“

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Kellertheater Hamburg „Kaspar Hauser“
Foto: Frank Weymann

Bundesversammlung des BDAT in Hamburg – 120 Jahre Verband Hamburger Amateurtheater

Als starke Gemeinschaft und hervorragender Gastgeber der diesjährigen Bundesversammlung des BDAT präsentierte sich der Verband Hamburger Amateurtheater anlässlich seines 120-jährigen Jubiläums vom 13. bis 15. September in der Hansestadt. Am Freitag, den 13. September, feierten die Hamburger im Beisein von Elke Westphal von der Kulturbehörde Hamburg sowie mit zahlreichen Gästen der bundesweiten Amateurtheaterszene ihr Jubiläum. „Die Bewegung Amateurtheater lebt, dies zeigt die Entwicklung des Verbandes Hamburger Amateurtheater, der heute 32 Theatervereine  mit rund 1.500 Aktiven vertritt“, verdeutlichte BDAT-Präsident Norbert Radermacher in seinem Grußwort. Er verwies auf das große Potential des Amateurtheaters, das auch in diesen Tagen sichtbar werde. Christian Dennert, Präsident des Verbandes Hamburger Amateurtheater (VHAT), nahm den Spielball in seiner Begrüßung auf und bedankte sich bei allen Hamburger Mitgliedsbühnen für ihr ehrenamtliches Engagement und die Leistungen vor dem Hintergrund des 120-jährigen Bestehens des VHAT.

Die jährliche Gemeinschaftsproduktion mit Darstellern verschiedener Mitgliedsbühnen hat im Hamburger Verband bereits Tradition. Anlässlich des Jubiläums wurde mit der Volkskomödie „Benefiz bei Mattler“  nach Friedrich Wilhelm Meyer-Brink ein Stück Lokal- und Theatergeschichte um 1850 lebendig und „dat ole Komödiantenbloot in Wallung bröcht“. Mit historischen Kostümen und einem eindrucksvollen Bühnenbild mit Spielbudenszenerie und Hamburger Stadtkulisse erzählte das Ensemble Episoden und „Dönkes“ rund um  den Theaterdirektor Friedrich Emil Dannenberg alias „Mattler“. Der schafft es sogar, den Faust in nur 30 Minuten wirkungsvoll auf die Bühne zu bringen. Das Stück persiflierte in dieser Fassung nicht nur die historischen Ereignisse und damaligen politischen Verhältnisse. Von der automatischen Spendenwaschanlage über die Kanzleruhr, die nur alle vier Jahre in Bewegung kommt, bis zum Projekt Elbphilharmonie hatte die „Raritätenschau“ auch einiges Kurioses der aktuellen Zeitgeschichte zu bieten.

Am  14./15. September fand die Bundesversammlung mit den Delegierten der 18 Mitgliedsverbände statt. Neben den allgemeinen Regularien standen zahlreiche Themen auf der Tagesordnung.

Präsidium und Geschäftsstelle berichteten über zentrale Projekte im kommenden Jahr wie das gerade angelaufene mehrjährige Förderprogramm „Theater für alle!“, den Deutschen Amateurtheaterpreis „amarena“ 2014 und weitere geplante Initiativen.

Erstmals wurde im Rahmen einer Bundesversammlung ein Fachnachmittag veranstaltet. Im Format eines „Erzähl-Cafés“ schilderten „Zeitzeugen des Amateurtheaters“ unter dem Themenschwerpunkt „Diversität und Integration“ ihre ganz persönlichen Erfahrungen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Gerd Koch (Berlin). Elke Heilsberger (Schleswig-Holstein), Manuela Morlock (Mecklenburg-Vorpommern), Helga Wenhardt (Baden-Württemberg) und Joachim Grabbe (Hamburg) saßen am „Runden Tisch“ und berichteten aus subjektiver Perspektive über ihren jeweiligen Zugang zum Theater, ihre  Beobachtungen und ihre Arbeit. Im Anschluss fand ein Austausch mit dem Publikum statt. Das Erzählcafé, mit dem der BDAT seine neue Reihe Amateur-Theater-Wissen startete, wurde aufgezeichnet und es soll u. a. Eingang finden in einem Buch zur Geschichte des Amateurtheaters.

Das Thema „Diversität und Integration“ stand auch in der nachfolgenden Aufführung „Einer wie Kaspar Hauser“ im Mittelpunkt. Das Kellertheater Hamburg erzählte auf neue Weise und mit aktuellen Bezügen eindrucksvoll die bekannte Geschichte des etwa 16 jährige Jungen, der im Jahr 1828 ohne Erinnerung und ohne Prägung in Nürnberg aufgegriffen wird: Ein junger Mensch im „Rohzustand“, der nach verlorener Kindheit plötzlich den Spielregeln der Gesellschaft ausgesetzt und aufgrund seiner Andersartigkeit als „Experimentierfeld“ missbraucht wird. Am Ende kommt er zu dem Schluss, dass diese Gesellschaft nicht besser ist als seine Isolation zuvor und er sagt: „Geh zurück, es hat sich nicht gelohnt!“

Ehrungen auf dem Schiff

Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Würdigung besonderer Persönlichkeiten des Amateurtheaters, die im Rahmen einer Hamburger Hafenrundfahrt auf einem Schiff vorgenommen wurde. Kathrin Oehme leitete über 22 Jahre den Verband Hamburger Amateurtheater und war langjährige Vorsitzende des Norderstedter Amateurtheaters. Sie wurde für hervorragende Verdienste um das Amateurtheater mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet.

Die höchste bundesweite Auszeichnung des BDAT wurde den beiden ehemaligen Vizepräsidenten des BDAT Josef Sedlmeier (Saarland) und Franz-Josef Witting (Nordrhein-Westfalen) verliehen. Sie erhielten die Ehrenmedaille für herausragende Leistungen.

In seiner Laudatio für Josef Sedlmeier hob Norbert Radermacher die vielseitigen verantwortlichen Tätigkeiten auf Landes- und Bundesebene hervor.

Mehr als 34 Jahre sei er für das Amateurtheater im Einsatz, u. a. als Jugendleiter für den bayrischen Landesverband, als langjähriger und amtierender Vorsitzender des  Verbandes Saarländischer Amateurtheater, als Veranstalter der Deutschen Amateurtheatertage 2006 in Eppelborn und als Motor für ein neues Festivalkonzept, das die Vielfalt der Sprachen und Dialekte zum Thema hat.

Franz-Josef Witting, der bereits mit neun Jahren Theater spielte, schloss sich 1962 der Heimatbühne Paderborn an und  gründete 1974 das „theater der jugend“, dessen Leiter und Regisseur er seitdem ist. Seit 1978 war Franz-Josef Witting im Vorstand des Amateurtheaterverbandes Nordrhein-Westfalen aktiv, von 1991 bis 2012 als Vorsitzender des Landesverbandes. Der Theatermacher wirkte maßgeblich am bundesweiten Fortbildungsprogramm des BDAT mit und er prägte insbesondere die internationale Arbeit des BDAT. „Franz-Josef Wittings Name ist seit 1982 untrennbar mit den Theatertagen Europäischer Kulturen verbunden, die  Ausgangspunkt für viele neue Verbindungen, Ideen und Folgeprojekte waren“, so Radermacher.

Dass sie sich mit dieser Ehrung nicht zur Ruhe setzen wollen, sondern weitere Ideen umsetzen und andere Menschen dazu bewegen wollen, sich für das Amateurtheater zu engagieren, brachten die beiden Geehrten in ihrem anschließenden Dank zum Ausdruck.

Foto_Ehrung

Ehrungsfoto v. l.: Norbert Radermacher, Kathrin Oehme, Franz-Josef Witting, Josef Sedlmeier, Christian Dennert (Foto: Frank Weymann)

Katrin Kellermann

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