Das waren sie: die 11. Brandenburgischen Amateurtheatertage

Aufführungsgespräch (Foto: Toni Gärtner)

von Jürgen Berg, TheEi Eisenhüttenstadt

Das waren sie, die 11. Brandenburgischen Theatertage kurz BATT. Sie fanden dieses Mal an einem netten Ort statt, der mehr Bäume als Einwohner hat, wie es der Bürgermeister wusste. Das Haus der Spiele, eine ehemalige Fabrik, wie das oft bei Kulturstätten zu finden ist. Wie ich erfuhr wurde hier nie etwas produziert, so wurde es eben die Kulturgießerei in Schöneiche.
Gefeiert und geschlafen wurde am Müggelsee, der sich kaum zeigte, weil große, alte Bäume ihn verbargen. Jeder fand also eine Möglichkeit, sich von den „Theaterstrapazen“ zu erholen. Ich glaube aber, der Schlaf war, wie immer bei diesem Event, Nebensache. Bei einem zünftiges Lagerfeuer, mit am Stock Geröstetem, Wein, Bier und Wasser fand ein reger Austausch statt.
Die „Open Stage“ bot dann den Darstellern am letzten Abend noch einmal die Chance, sich auf ungewöhnliche Weise zu produzieren, was auf zum Teil verrückte Weise geschah.
Erstaunlich, was es da zu sehen gab: Tänze in allen Variationen, irre Spielszenen und sogar Comedie. Am Ende eine Akrobatik-Show des polnischen Ensembles.

Doch zum eigentlichen Theater. An jedem der drei Tage fanden drei Aufführungen statt.
Unverzüglich daran schloss sich eine Auswertung, das war auf jeden Fall eine gute Entscheidung, denn bei vergangenen BATT`s geschah das erst am nächsten Morgen,
viele der Fragen und Bemerkungen waren dann schon verblasst. Auch war die Zeit des Aufbaus des Bühnenbildes stressloser. Alles in allem eine besser durchdachte Organisation.

Das Schöneichner Tanz- und Theaterensembles „Lumota“ eröffnete den Reigen mit Stück, in dem sich Tanz und pantomimische Theaterszenen abwechseln. „Zwischen den Welten zum Glück“ begleitete eine Menschen(Seele) auf verschiedenen Pfaden und lässt, so die Choreographin, Intendantin und Tänzerin Constanze Röhn, bewusst Raum zu individueller Deutung der Inszenierung. Das Ensemble ist mit ihrer großartigen Choreographie und Inszenierung von Constanze Röhn eine echte Bereicherung der Brandenburgischen Amateurszene.

Das „Theater Stolperdraht“ aus Schwedt landete mit einer temporeichen Kriminalkomödie,
inzeniert von Uwe Schmiedel (UBS), in der am Ende zwar nicht der Gärtner der Mörder war, sich aber schließlich die Putzfrau aus den Wirrwarr der Verdächtigungen herausstellte. Eine gute Leistung des vorwiegend jungen Teams.

„Einsame Menschen“, ein Werk von Gerhard Hauptmann folgte. Inszeniert von Sebastian Eggers und aufgeführt vom „Kleinen Theater Falkensee“, einem Ensemble, dass sich oft gesellschaftskritischen Stücken widmet. Eine gutbürgerliche Familie zerbricht am starren Ritus der Gesellschaft, die keinen Ausbruch der Individuen aus festgelegten Grenzen zulässt.
Aus meiner Sicht wieder einmal in jeder Hinsicht eine tolle Aufführung dieses Teams, das schon sehr lange zusammen ist.

Der folgende Vormittag gehörte Gästen, einer polnischen Theatergruppe UHURU. „Die Verrückten“, so der Titel. Widerspruch und Aufstand in der westlichen Konsumwelt, darauf wollten die etwa zwanzig Damen, die fast ständig auf der Bühne agierten, aufmerksam machen.. Auch wenn sie sich, verständlicherweise, ihrer Landesprache bedienten, wurde es, unterstützt durch lebendiges Spiel, von den meisten Zuschauern erfasst.

Mit einer Eigeninszenierung von Sebastian Eggers und Sebastian Maihs, brillierte das TOB aus Neuruppin. „Fritz avec souci“ ( mit Sorge) erzählt die Geschichte des Königshauses Friedrich-Wilhelms. Von der drangsalierten Familie durch den König und dem aufstrebenden Sohn und Thronfolger, den der Vater für seine Ziele einspannen wollte, während er in sich selbst eine Welt begründete.
Hier muss einmal die besondere schauspielerische Leistung von Steffi Schieferdecker hervorgehoben werden, welche in der Rolle Friedrich-Wilhelms außergewöhnlich war, bravo Steffi!

Am Nachmittag des dritten Tages sah man „Nachtasyl“, n a c h Gorki, vom Jugendtheater
„Strumpfhose“. Der Regisseur Frank Grünert verlegte das Stück in die heutige Zeit und die
Akteure sind Jugendliche am Rande der Gesellschaft, die sich im Nachtasyl, der Wohnung eines bemittelten Jungen, eingerichtet haben. Hier beginnt der, zunächst verbale, Kampf um Vorrechte und Macht, aber auch Sehnsucht nach Liebe und Verständnis.

Am Samstag schließlich die letzten zwei Vorstellungen. Zunächst das Theater „Zeitlos“ aus Rathenow mit zwei Schwänken von Hans Sachs (15./ 16.Jhd). Eine andere, nicht immer angenehme Art der Treueprüfung zwischen Mann und Frau. Lebendig gespielt vom Team unter Magda Nießner, mit zweiundachtzig Jahren zur Zeit die älteste Darstellerin im Verband.

Als Krönung schließlich eine Aufführung des „Theater Frankfurts“, als Gast aus der Profitheaterszene. Die wunderbare Inszenierung verführte uns in die Geschichte der Medea der griechischen Mythologie.

Alles in allem bleiben die künstlerisch schönen, sonnenreichen und schmackhaften Tage sicher bei allen in guter Erinnerung. Eine Fülle von Anregungen durch die Aufführungen und Gespräche nahm sicher jeder im Gepäck mit sich.
Bleibt mir noch, allen Organisatoren, besonders Steffi Schieferdecker und Roy Blacha, sowie dem Schöneichener Team für ihre Mühe und guten Ideen zu danken und ich denke, das im Namen aller Beteiligten zu tun.

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